Ich plane von April bis in den Juli hinein endlich mal wieder etwas Längeres zu Schreiben. Ziel: ein queerer Thriller.
Die Handlung steht und viele von euch kennen auch schon die ersten zwei Kapitel, die ich bereits im Jahr 2022 geschrieben und auch schon auf diversen Lesungen vorgetragen habe. Nachdem mehrmals nach dem Roman dazu gefragt wurde, möchte ich das Projekt dieses Jahr endlich umsetzen.
Der Pitch lautet: Nicht-binäre Putzkraft wird von drei Killerinnen durch die Alpen gejagt
Dazu gibt's natürlich auch nen Love-Interest. ;)
I’m planning to finally work on a longer piece again from April through July. The goal: a queer thriller.
The plot is already set, and many of you are familiar with the first two chapters, which I wrote back in 2022 and have already presented at various readings. Since I’ve been asked several times about turning it into a novel, I want to finally bring this project to life this year.
The pitch: A non-binary cleaner is hunted through the Alps by three female assassins.
And of course, there’s also a love interest. 😉
Hier nochmal Kapitel 1:
Eine gängige Assoziation auf die Begriffe „Hand“ & „Ring“ wäre wohl „Hochzeit“ oder „Verlobung“.
Seit jenem Morgen im Mai sind die Wörter, die mir dabei im Kopf herumschwirren, „Erde“ und „Tot(d)“. „Tot(d)“ dabei wahlweise mit d oder t. Es macht in diesem Zusammenhang wirklich keinen Unterschied.
Dieser Shift in meinem Kopf entstand, als ich barfuß auf W’s Rasen stand und mir die zweite Zigarette des Tages ansteckte. Ich hatte gerade das zweite Bad im Obergeschoss gereinigt und der Geruch von Zitrone und Bleiche hing mir noch in den Nasenhaaren, als ich das Kribbeln in den Zehennägeln spürte.
„GOLD!“
Das Kribbeln bedeutete immer Gold. Meine Assoziationen auf „Gold“ waren „wie viel?“ und „Kamera?“.
Ich versuchte die aufkommende Hoffnung zu unterdrücken, indem ich einen tiefen Zug aus dem nicht glimmenden Ende des Stängels nahm.
Jetzt bloß nicht übermütig werden. Schließlich brauchte ich noch mindestens 5000 für meine Mastek. Selbst das Geld für die Anzahlung hatte ich noch nicht ganz beisammen. Dazu fehlten mir noch 300.
„300 Franken?“, hatte Phoenix gefragt.
„Euro“
„Willst du es in Deutschland machen lassen?“
„Düsseldorf. Ist viel günstiger.“
„Was sagt Tiger dazu, dass du deine perfekten Pflaumen abschneiden willst?“ Phoenix hielt sich seine Hände vor die Brust und machte knetende Bewegungen, so als ob er mit seinen nicht mehr vorhandenen Brüsten spielen würde.
„Wir reden nicht darüber.“
„Was sind aktuell deine Pronomen?“
„They/them oder dey/dem. Im Deutschen ists immer noch irgendwie komisch.“
Phoenix brummte zustimmend. Er schien einen Gedanken wie eine Murmel hin und her zu rollen. Schließlich spuckte er sie aus:
„Tiger war schon immer lesbisch.“
„Ja“, stimmte ich ihm zu. „Das ist das Problem.“
Die Aussage war falsch. Das sich meine fortwährend weiterentwickelnde Geschlechtsidentität mit den sexuellen Präferenzen und dem Identitätsbild meiner Partnerin zunehmend bissen, war nur eins meiner Probleme, meine ständigen Geldnöte waren mein Zweites. Der Streit mit meiner Familie konnte als drei bezeichnet werden. Hand und Ring lagen unter meinen Füßen und warteten darauf, dass sie zu einem vierten Problem wurden. Zehn Minuten später war es so weit.
Während ich rauchte, hatte ich mich bedächtig im Garten umgesehen und meinen Platz eingeordnet. Ich stand hinter einer Lebensbaumhecke. Die Villa mit Terasse befand sich auf der anderen Seite. Hinter mir 500 Quadratmeter halbhohe Wiese. W hatte diesen Sommer beschlossen, dass ein Teil des Rasens zur Insektenweide werden sollte. Nun wurde hinter der Hecke nur noch zweimal im Jahr mit der Sense gemäht.
Weit und breit keine Kameras zu sehen. Es sei denn, W hätte sie in der Hecke anbringen lassen. Ich steckte meinen Kopf zwischen die Zweige. Nichts. Zumindest konnte ich nichts erkennen.
Immer noch kribbelten meine Zehennägel. Ich hatte mich seit fünf Minuten nicht von der Stelle bewegt. Jetzt trat ich einen Schritt zur Seite, ließ aber die Stelle, an der meine Füße die Gräser platt gedrückt hatten, nicht aus den Augen. Ich kniete mich daneben und mit den bloßen Händen, begann ich zu graben.
Ich merkte sofort, dass die Erde auf diesem Wiesenstück sehr locker war. Zu locker für die heißen Tage, die wir nun Ende Mai, bereits hinter uns hatten. Vor der Terasse war der Erdboden so verdichtet, dass W oft mit seinen Stollenschuhen, die er sonst nur zum Golfen trug, über dem Rasen lief, um den Boden zu Lüften. Ob das half, wusste ich nicht. Ich war hier nur die Putze. Mit dem Rasen kannte ich mich nicht aus.
Ich merkte aber, dass meine Finger ohne Probleme ins dunkle Erdreich fuhren, das eine tiefe schwarze Färbung aufwies. So dunkel, als ob erst gestern jemand Kompost in einer Plastiktüte im Gartencenter gekauft und auf diesem Erdteil verteilt hätte.
Bereits zwanzig Zentimeter unter der Grasnarbe wurde ich fündig. Hand. Ring. Genauer: modernde Menschenhand. Goldring.
Ich schaute und schaute. Grub schließlich weiter. Die Hand war ab. Abgeschnitten. Den passenden Körper fand ich nicht darunter. Ich grub aber auch nur weitere zwanzig Zentimeter. Wer weiß, was Six feet under noch alles lag?
Der Ring sah gut aus. Wertvoll. Zum Glück saß er auf dem kleinen Finger. Vom Mittleren hätte ich ihn niemals hinunter gezogen bekommen, ohne den Finger abschneiden zu müssen. Ich bin nicht sicher, ob ich das wirklich getan hätte. Egal. Ich zog den Ring ab und musste nichts weiter durchziehen oder -schneiden.
Ich steckte den Ring in meine Hosentasche, begrub die Hand wieder mit der schwarzen Erde, setzte die Gräser drüber und ging ins Haus. Im noch ungeputzten Bad im Erdgeschoss wusch ich mir die Hände.
Das war ein Fehler. Auf den Bildern der Kamera, die die Eingangstür beobachtete, sah man deutlich den Dreck an Ihnen. Das war der Beginn von Problem Nummer vier.
Noch am selben Tag versetzte ich den Ring bei Monkey, überwies Geld per Paypal und machte einen Termin für September in Düsseldorf.
Als ich Tiger davon erzählte, löste sich Problem Nummer eins auf: Sie machte Schluss mit mir. Mit uns.
Als eine halbe Stunde später die Wohnungstür hinter mir ins Schloss fiel und ich mit gepacktem Koffer und Kaktee im Arm auf der Straße stand, hatte sich ein neues Problem Nummer eins manifestiert: Wohnungslosigkeit.
